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Diakonie: Was treibt uns an?

Warum diakonisch handeln? Diese Frage findet immer wieder unterschiedliche Antworten. Treibt uns der Auftrag Gottes an, bewegt uns Not und Bedürftigkeit oder handeln wir gar aus Furcht vor dem jüngsten Gericht, wo uns dann womöglich vorgehalten werden könnte: „Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan ...“! (Mt. 25,45)

Theo Brüggemann greift dieses Thema in einer Andacht auf und plädiert – ausgehend von 1. Joh. 4,17 - für ein Handeln aus der Furchtlosigkeit der Liebe:

„Darin ist die Liebe Gottes bei uns
vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tage des Gerichts.“

1. Joh 4,17

Sogar so weit geht die Geborgenheit des Christenmenschen also: nicht nur Furchtlosigkeit vor den Mächten der Welt, sondern Furchtlosigkeit vor dem letzten Gericht. Dann sei die Liebe zu ihrer vollen Entfaltung gekommen, sagt Johannes, wenn sie so kindlich dem Vater vertraue, dass sie von ihm keine letzte Verwerfung mehr erwarten kann. Nicht weil ich keine Verurteilung verdiente – aber weil er der Vater ist und darum nicht mehr verstoßen will. Weil er lieber seinen eigenen Sohn in den Tod stieß als dass er uns verloren gehen ließe. Dass dies nun nicht heißt, Furchtlosigkeit sei Gemütlichkeit, süßes Nichtstun, weil Gott ja ein so lieber Man sei – das hat Jesus mit wünschbarer Klarheit gezeigt in jenem Gleichnis von dem anvertrauten Talenten (Mt 25, 14-30). Dort tritt ein Mann auf, der das Seine vergraben hatte und sich bei der Abrechnung rechtfertigt: „Herr, ich wusste,  dass du ein harter Mann bist … und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde.“ Da hat sich einer gefürchtet vor der Abrechnung, er könnte mit Verlust erscheinen müssen. Seine Furcht hat ihn gelähmt, fröhlich seine Pflicht zu tun. Die Furchtlosigkeit der Liebe aber macht uns eben gerade frei zu einem tätigen Leben, zu einer zuversichtlichen Einsatzfreudigkeit, die die Abrechnung am Ende nicht scheut. Die Furcht macht aus dem gütigen Vater einen „harten Mann“ – und seltsam: wer so lebt, der wird auch vom Leben hart angefasst. Wer mit eingezogenem Kopf seinem „Schicksal“ entgegenschaut, der wird auch ein bitteres Schicksal erfahren. Der Furchtlose aber wird beschenkt, weil er dem Vater etwas zutraut.

Theo Brüggemann, Worauf es ankommt, Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 1981. Mit freundlicher Genehmigung.