Eintritt ins Pflegeheim

Was gilt es zu beachten?

Kürzlich bekam ich einen Anruf von einem Ehepaar, das sich gerne unser Heim anschauen und über die Abläufe in Bezug auf einen Heimeintritt informieren wollte.

Als sie zu dem vereinbarten Termin kamen, fragte ich sie, wann sie denn einziehen wollten. Sie lachten und meinten: „Ach, so bis in ein oder zwei Jahren.“

Ich war beeindruckt. Diese Menschen machten sich frühzeitig Gedanken darüber, dass beide oder auch einer von beiden vielleicht in der Zukunft nicht mehr allein zuhause zurechtkommen würde. Es war ihnen wichtig, diesen oft nicht leichten Schritt frühzeitig zu planen und sich damit auseinander zu setzen, wie es sein würde, wenn sie vom gewohnten Umfeld Abschied nehmen müssten.

Leider ist das die Ausnahme.

Sehr oft geht es heute ganz schnell. Es passiert etwas, ein schwerer Sturz beispielsweise oder ein Schub einer Krankheit, und plötzlich ist der Moment da, wo jemand nicht mehr selber zu Hause zurechtkommt. Das gewohnte Leben droht aus den Händen zu gleiten. Oft haben sich die Menschen vorher wenig oder keine Gedanken gemacht, wie sie reagieren könnten, wenn es soweit ist. Zu beschäftigt sind wir damit, unser Leben zu leben. Zu bedrohlich ist oft der Gedanke, die Kontrolle abgeben zu müssen.

Neue Bewohner und Bewohnerinnen tun sich vielfach schwer, dem neuen Lebensabschnitt etwas Positives abzugewinnen. Meine Beobachtung ist, dass es vor allem der vermeintliche Verlust der Eigenbestimmung ist, der Angst macht.

Dazu kommt, dass die Person einen grossen Teil der vertrauten Gegenstände und Sachen loslassen muss. Und auch der enge, manchmal zu enge Kontakt mit Fremden, ob Personal oder Mitbewohner. Diesen Veränderungsprozess aktiv zu gehen, ist eine grosse Herausforderung.

Besonders schwierig wird es, wenn die Entscheidung andere treffen müssen, weil die Person selbst nicht mehr entscheiden kann oder weil das Umfeld mit der Betreuung/Unterstützung überfordert ist.

Ich habe bei einigen Bewohnern das Gefühl, als hätte der Verstand zwar akzeptiert, dass die Situation unvermeidbar ist, dass aber die Seele viel Zeit braucht, um zu trauern, bis sie sich tatsächlich mit der Situation nicht nur abfinden, sondern sie annehmen kann.
Hier ist das Betreuungspersonal besonders gefordert. Es gilt, herauszuspüren, ob jetzt das Essen tatsächlich nicht schmeckt oder ob es eigentlich darum geht, dass die Person einen Verlust betrauert.

Aus dieser Erfahrung kann ich nur dafür plädieren, sich frühzeitig mit der Frage eines allfälligen Heimeintritts auseinander zu setzen. Ich finde es auch wichtig, dass dieses Thema in der Familie oder mit vertrauten Personen angesprochen wird. Dabei sollte es nicht nur darum gehen, welches Heim in Frage kommt oder wie die Finanzierung aussehen soll. Sondern auch, wie alle Beteiligten mit der neuen Lebenssituation umgehen können, allein und als Familie. Worauf man keinesfalls verzichten möchte und was einem bei der Betreuung wichtig ist.

Natürlich ist es wichtig, sich beraten zu lassen und Fragen stellen zu können. Hier können Sie sich direkt an das Heim ihrer Wahl wenden oder beim Amt für Langzeitpflege auf der Gemeinde nachfragen. Als Pflegeheim St. Chrischona haben wir die wichtigsten Informationen dazu auf der Website und in einer Broschüre zusammengestellt.

Anna-Regula Thoma, Pflegedienstleiterin des Pflegeheimes St. Chrischona