Fluchtlingsarbeit

Es begann Anfang Januar 2016, als aufgerufen wurde zu einer Versammlung von Leuten aus dem Ort, die sich bereit erklärten, als Flüchtlingshelfer bei der Integration von Flüchtlingen mitzuwirken. 60 bis 80 Leute meldeten sich.
Es wurden vier Gruppen gebildet, die verschiedene Aufgaben erhielten: Begrüssungsgruppe, medizinische Betreuung, Betreuung beim Gang zu Ämtern und Sprachhelfer. Ich meldete mich für die Begrüssungsgruppe.
Dann Ende Januar hiess es: Am Nachmittag kommen 50 Flüchtlinge. Wir hätten zu dritt Begrüssungsdienst gehabt, da wurde schnell klar, dass wir das so nicht schaffen könnten. Also schnell herumtelefoniert, ob noch andere mithelfen könnten. Zwei Leute konnten wir noch dazugewinnen. Alles, was an Gebäck, Kaffee, Tee, Zucker, Wasserkocher usw. aufzutreiben war, wurde eingepackt und zur Unterkunft gebracht. Ich hatte schon zu Hause Kaffee und Tee gekocht.
In der Unterkunft angekommen, fragten wir uns nach Leuten durch, die Englisch konnten – das erleichterte die Verständigung. Auch eine Marokkanerin aus dem Ort half uns mit ihrem Arabisch. 50 Syrer aus dem Erstaufnahmelager im Nachbarort waren zu uns gekommen.
Mein Mann hatte im Voraus schon 50 Hefte „Welcome“ von SCM besorgt, die uns förmlich aus der Hand gerissen wurden. Dort konnten unsere neuen Bewohner in Arabisch lesen, was in Deutschland so Sitte ist, aber auch über unseren Glauben und unsere christlichen Feiertage und mehr.
Eine Lehrerin von der Christlichen Schule in Gießen, die hier im Ort wohnt, ging dann beim Begrüssungskaffee von einem zum anderen und fragte:  „Ich bin Sabine; wie heisst du?“ Sie konnte sich auch sehr schnell die Namen merken und so war das erste Eis gebrochen. Schnell entwickelten sich gute Kontakte.
Wir halfen beim Einkaufen und zeigten im Ort die wichtigsten Geschäfte.
Etliche Helfer kommen aus der Kirchengemeinde und aus der Ev. Gemeinschaft. So entstand eine Frauen-Sprachgruppe, die sich dienstags im Gemeinschaftshaus trifft.
Vor Ostern luden wir sie ein zum Osterzopf-Backen und zum Ostereier-Färben, was ihnen viel Spass machte. Mit einem selbst gestalteten Plakat erklärten wir ihnen, was Ostern für uns Christen bedeutet.
Auch zu Weihnachten wird es wieder eine Aktion geben, wo wir mit ihnen Weihnachtsplätzchen backen und ihnen Weihnachten erklären wollen.
Sprache lernen ist für die Flüchtlinge vorrangig, vor allem für die, die kein Englisch können, damit sie sich verständigen können. Da die Kinder gleich in die Schule gehen konnten, sind sie die, die schon am besten Deutsch reden und verstehen können. Damit sind sie in der Familie eine grosse Hilfe beim Übersetzen beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen.
In einer „Fahrradwerkstatt“, von unserem Gemeinschaftsmusiker ins Leben gerufen, konnten alte Räder wieder funktionstüchtig gemacht werden, wo sich auch mit Freude einige Männer aus der Unterkunft beteiligten, so dass die Mobilität einzelner noch gesteigert werden konnte.
Positiv bei der Arbeit mit den Flüchtlingen war das Begrüssungsfest im Bürgerhaus. Ein Konditor aus Damaskus hatte zwei riesige Torten gebacken und viele hatten sich am Buffet beteiligt. Aus dem Ort kamen so viele Leute, dass die Stühle nicht ausreichten!  
Der nächste Schritt war, sie bei der Wohnungssuche zu unterstützen. So fanden die Christen aus der Unterkunft schnell eine Wohnung im Nachbarort. Eine Familie fand eine Bleibe bei einer gläubigen Familie am Ort. An sie konnten wir bei Hausbesuchen auch schon ein NT in Syrisch und Deutsch weitergeben. Dabei erklärte uns der Vater mit leuchtenden Augen, sein Vater habe ihm erklärt, Jesus sei der Messias. Und die Mutter schlug gleich Offb. 21 am Ende der Bibel auf, wo steht: Ich komme bald. Aber die Frau hat grosse Angst, den christlichen Glauben anzunehmen, weil es für sie Anfeindung und Schlimmeres bedeuten kann. So müssen wir, die wir sie betreuen, mit viel Feingefühl vorgehen und vor allem für sie beten und ihre Fragen beantworten.

Irmtraud Heinemann, Holzheim