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Ich heisse Judith Kohlmann und bin als Familien-Gesundheits-Kinderkrankenpflegerin (FGKiKP) vom DMH angestellt, um für die Fachstelle „Frühe Hilfen“ des Landkreises Lörrach (Landratsamt) zu arbeiten.

„Frühe Hilfen bilden lokale und regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Hilfeangeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren mit einem Schwerpunkt auf der Altersgruppe der Null- bis Dreijährigen. Sie zielen darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. Neben alltagspraktischer Unterstützung wollen Frühe Hilfen insbesondere einen Beitrag zur Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz von (werdenden) Müttern und Vätern leisten. Damit tragen sie massgeblich zum gesunden Aufwachsen von Kindern bei und sichern deren Rechte auf Schutz, Förderung und Teilhabe.“ (https://www.fruehehilfen.de/fruehe-hilfen/was-sind-fruehe-hilfen/)

Das Angebot gilt grundsätzlich für alle Eltern zur Gesundheitsförderung und primären Prävention. Darüber hinaus auch für Familien in Problemlagen und schwierigen sozialen Lebensumständen (sekundäre Prävention). So werden Risiken für das Wohl und die Entwicklung des Kindes frühzeitig wahrgenommen und reduziert. Frühe Hilfen basiert auf multiprofessioneller Kooperation, d.h. es besteht eine enge Vernetzung mit verschiedenen Institutionen wie Schwangerschaftsberatungsstellen, Frühförderung, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendhilfe (Jugendamt), diversen Therapeuten (z.B. Physiotherapeut, Logopäde) u.a.   Das Angebot ist für Eltern freiwillig und basiert auf Vertrauen zu dem Anbieter. Die Eltern sollen in ihren Ressourcen und eigenen Kompetenzen gestärkt und gefördert werden, so dass sie aus eigenen Kräften wieder in der Lage sind, für ihre Kinder zu sorgen. Für die „Unterstützungspersonen“ erfordert dies eine professionelle und wertschätzende Haltung gegenüber den Eltern.

Was mache ich?
Es gibt im Landkreis Lörrach vier Standorte (Lörrach, Rheinfelden, Weil am Rhein, Schopfheim), die jeweils von einer Psychologin koordiniert werden. Die Psychologin hat den ersten Kontakt zu Mutter/Vater und wenn der Bedarf gegeben ist, wird es an mich weitergeleitet, so dass ich für eine bestimmte Zeit (min. 3 Monate bis zu einem Jahr) die Familie in ihrem Zuhause besuche, dort anleite und berate.

Zu den Themen gehören ganz allgemein sämtliche Fragen rund um den Alltag eines Kindes (von 0-3 Jahren), Förderung der Eltern-Kind-Bindung, Erkennen und Erfüllen der Bedürfnisse eines Kleinkindes, altersgerechte Ernährung, sicherer und gesunder Schlaf, Unterstützung im Umgang mit kranken Kindern oder Frühgeborenen oder Kindern mit Regulationsstörungen (z.B. sogenannte „Schreikinder“) , Aufklärung zur psychosozialen und motorischen Entwicklung und die Anleitung zum entwicklungsfördernden Umgang.

Die andere Aufgabe von mir ist die Vernetzung mit anderen Institutionen, wenn es nötig ist und die Eltern dies wollen. Konkret begleite ich Familien zum Arzt oder vermittle sie an die Frühförderstelle, helfe Kontakte knüpfen zum Beispiel über das Familienzentrum usw.

Die Familien, die ich besuche, haben wie oben beschrieben die unterschiedlichsten Hintergründe und Bedürfnisse. Ich bin bei Familien mit sehr schwierigen sozialen und multikausalen Lebenslagen, Familien mit Migrationshintergrund und auch bei ganz gesunden, alltäglichen Familien, die für eine Zeit eine Unterstützung haben möchten.

Es wird zu Beginn der Unterstützung festgelegt, welches Ziel/konkretes Anliegen die Eltern haben (z.B. sicherer Umgang mit dem Säugling/Frühgeborenen, Bedürfnisse erkennen und bedarfsgerecht darauf eingehen, weniger schreien, Unterstützung beim Stillen/Essen, Vernetzung, versch. pädagogische Themen etc.). Diese Anliegen werden in festgelegten Abständen gemeinsam mit der Psychologin besprochen und reflektiert.

Mir macht diese Arbeit sehr viel Freude. Sie ist herausfordernd und nicht immer einfach. Ich sehe nicht nur das Kind, sondern die ganze Familie, alles drum herum; muss immer wieder sortieren, auf was ich eingehen kann und was gerade dran ist. Ich bete, dass Gott mir die Weisheit und Liebe für alle Familien gibt und in allem Bewahrung schenkt.

Judith Kohlmann, Steinen