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Herzlich willkommen

„Gastfreundschaft ist eine von Gott gegebene Gabe, die befähigt, andere Menschen zu umsorgen und ihnen Freundlichkeit entgegenzubringen. Christen mit dieser Begabung haben ein ‚offenes‘ Haus, in dem sich Freunde wie Fremde spontan wohl und willkommen fühlen.“ Diese Erklärung habe ich aus Wikipedia herausgepickt.

Spannend zu lesen, dass das Online-Nachschlagewerk Wikipedia Gastfreundschaft mit dem Christentum in Verbindung bringt.
Wir sind nun eine fünfköpfige Familie und das erschwert es manchmal, die perfekte Gastgeberin zu sein. Und doch gibt es ein paar Ideen, wie es gelingen kann. Mein Mann und ich stammen aus zwei unterschiedlichen Kulturen. Uns hilft dieser Mix,  die konservative Schweizer Mentalität mit der Gastfreundschaft Italiens zu verbinden. Wir haben auch festgestellt, dass weniger manchmal mehr ist. Wo bei meinen Eltern noch das Essen und der perfekt gedeckte Tisch bis zum Serviettenring in allen Einzelheiten stimmen müssen, stehen bei uns die Gemeinschaft und  Gespräche mehr im Vordergrund. Bei geplanten Besuchen besprechen wir oft die Menüplanung und die Abläufe. Wir versuchen auch die Kinder mit einzubeziehen. Das gibt ihnen ein Dazugehörigkeitsgefühl und es erfüllt sie mit Stolz, wenn sie die Servietten falten oder den Apéro in Schälchen verteilen dürfen. Ich merke: Wenn die Vorbereitungen optimal durchdacht wurden, können wir alle den Besuch geniessen. Aber was ist Gastfreundschaft wirklich? Ein gutes Essen, ein feiner Tropfen Wein, wohltuende leise Musik im Hintergrund, Kerzenlicht, ein Lavendelduft auf der Toilette? Nicht „nur“ – Gastfreundschaft ist kein Programm, sondern geteiltes Leben. Sie erwächst aus Lebensfreude, Einfachheit und Bescheidenheit. Gastfreundschaft ist für mich etwas, das man persönlich vorlebt!
Wichtig ist, die Bedürfnisse unserer Gäste richtig einzuschätzen und ihnen auf diese Weise ein Stück Heimat zu geben, ein Wohlgefühl in unserem Zuhause. Es ist ein Unterschied, ob ich einen gemütlichen Frauenabend plane, ob ein Freundespaar kommt oder eine Familie. Bei allen Besuchen wollen wir erreichen, dass sich unsere Gäste wohl fühlen und die Zeit miteinander wertvoll genützt werden darf. Der berühmte Max Frisch drückt es so aus, dass „Heimat die Menschen sind, die wir verstehen und die uns verstehen“.
Zu meinem 40. Geburtstag habe ich meine Freundinnen zu einem unvergesslichen Abend eingeladen. Den Tisch habe ich mit handgemachten Tischkarten liebevoll dekoriert und in der Mitte des Tisches stand eine leere Flasche Wein mit meinem Geburtsjahrgang darauf. Darin steckte eine wundervolle Rose.

An diesem Abend durfte ich meine Leidenschaft, Gäste zu verwöhnen, ausleben. Auch als Mami darf ich diesen wertvollen Dienst, anderen zu dienen, immer wieder wahrnehmen, etwa wenn ich die Nachbarskinder willkommen heiße zum Spielen, zum Zvieri essen oder auch mal zum Glace schlemmen.
Im Römerbrief lesen wir: „Wenn andere Gläubige in Not geraten, steht ihnen zur Seite und helft ihnen. Seid gastfreundlich und öffnet Gästen euer Haus.“ Dies wollen wir tun, nämlich unsere Türe offen halten, damit Gott in unserem Daheim wirken darf.

Cécile und Gianpaolo Di Matteo, Familienfrau, Leiter Finanzen/Administration