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„Muss ich jedem Bettler etwas geben?"

Keine typische Frage, die sich Christen stellen, welche durch viele Predigten, Workshops, Seminare, Bibelstudium und ein mitfühlendes Herz für die Nöte der Mitmenschen sensibilisiert wurden, aber auch oft unsicher und ab und zu frustriert sind.

Kein neuzeitliches Phänomen

Sie sind seit Jahrtausenden Teil der Menschheitsgeschichte; Die Rede ist von Menschen jenseits der Armutsgrenze, die sich nichts anders zu helfen wissen, als sich an den Wegrand zu setzen und die Gunst der Passanten auf sich zu ziehen. Lesen Sie in der Bibel nach.


Keiner bettelt einfach so…


Wer etwas Zeit erübrigt und sich mit einem Bettler hinsetzt, ihn vielleicht zu einem Kaffee, einer Cola oder sogar einem Stück Kuchen einlädt, wird feststellen, dass hinter dem Aussehen ein Mensch steckt.
Hat er studiert? Kam er aus einer schwierigen Familie? Unerwartete Schicksalsschläge am Weg? War der Verlust geliebter Menschen ein Auslöser? Kamen die Pleite der Firma und damit die Arbeitslosigkeit hinzu? War eine Sucht Auslöser für den sozialen Abstieg?

Bettler snd immer zuerst und vor allem anderen Menschen. Oftmals gekränkt, marginalisiert und verletzt, manchmal scheu und schnell beleidigt, weil so oft abgewiesen und zurückgestossen. Aber meistens empfänglich für ehrliche Anteilnahme und echtes Interesse und mit einem feinen Gespür für Wahrhaftigkeit ausgestattet.

Menschenverstand hilft…

Eine gute Portion gesunder Menschenverstand und ein Sinn für die Realitäten des Lebens schaffen für den Zuhörer eine Atmosphäre, die schützt und vor überhasteten Reaktionen bewahrt.

Sie haben zwei Ohren bekommen und nur einen Mund. Hören Sie gut zu. Versuchen Sie den anderen nicht zu belehren.

Wenn Sie ein Christ, eine Christin sind, verstehen Sie zuerst, dass mit Ihnen Jesus Christus persönlich durch seinen Heiligen Geist da ist.

Sie brauchen kein Diplom in Sozialarbeit, um für einen Armutsbetroffenen ein Segen sein zu können. Benützen Sie aber Ihren Verstand. Hören Sie nicht zuerst auf Gefühle, sondern schätzen Sie die Situation ein.

Seien Sie liebevoll und bestimmt, voller Respekt und trotzdem wachsam. Das ist eine gute Kombination.

Helfen Sie wirklich…

Seien Sie zurückhaltend mit Geld. Armutsbetroffene haben meist kein gesundes Verhältnis zu Finanzen. Aber aufrichtige Arme sind offen, Hilfe anzunehmen.
Nicht Geld, sondern essbare Lebensmittel und alkoholfreie Getränke, Hygieneartikel, Kleidung, Schuhe, ein Trambillett direkt in die Hand gegeben – das sind bessere Hilfen.
Christen sind biblisch angehalten, Armutsbetroffene zu unterstützen. Das ist auch ein Zeichen der Liebe und Fürsorge Gottes, die lebendig wird. Machen Sie mit Gott ab, wie viel sie im Monat in ihrem Budget für Mitmenschen reservieren wollen. Und – wenn Sie Geld weitergeben möchten – wechseln Sie die Zwanzigernote lieber in Fünferscheine So können Sie mehreren Leuten helfen.

Gerhard Wyss, Offizier der Heilsarmee, Basel