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Genug gebetet.

Das habe ich mir bisher eigentlich noch gar nie so richtig überlegt: Wie lange gilt es bittend vor Gott durchzuhalten mit einem Herzensanliegen, und ab wann ist die Zeit da, eine notvolle Situation zu bejahen? Wann gilt es, die Bitt-Spur zu verlassen und auf die Vertrauens-Spur zu wechseln? Oder gar die Dank-Spur zu wagen, auch wenn ich Gottes Wege nicht verstehe?

Einige Bitten für nahestehende Menschen begleiten mich seit Jahren, und ich bringe sie immer wieder vor Gott. Das werde ich so lassen. Ich glaube, dass Gott mich um meines „unverschämten Drängens willen“   (Luk.11,8) auch als bittende Freundin ernst nimmt.

Beim Apostel Paulus wird diese Frage mit „dreimal“ beantwortet. „Dreimal habe ich zum Herrn gebeten, dass er mich heilen solle“ ( 2. Kor.12, 8+9). Dreimal ganz bewusst und innig für ein wichtiges Anliegen beten – und es dann Gott überlassen. Vielleicht sagt er auch zu mir: „Es ist gut so. Meine Gnade genügt.“  

Nachdenklich gemacht hat mich folgende Begebenheit, die Josias Mutter, Wiebke Topf, erzählt :

„Immer wenn die Weihnachtszeit kommt, erinnere ich mich an einen Traum, den mein damals vierjähriger Sohn hatte. Er gehört für mich inzwischen eng zu Weihnachten und ist mein schönstes Weihnachtswunder.

Unser Sohn Josia kam ohne Arme auf die Welt und hatte verkrümmte Beine.

Durch mehrere Operationen und Hilfsmittel kann er laufen, aber seine Beine sind steif.

Eines Morgens kam er zu mir und sagte, er habe von Jesus geträumt. Jesus sei ihm begegnet und habe mit ihm über seine Beine gesprochen. Ich fragte ihn ganz aufgeregt, was Jesus denn darauf geantwortet habe – in der Hoffnung, dass er sagen würde, Gott würde die Beine heilen oder etwas in der Richtung.

Aber Josia strahlte mich an und sagte:
‚Ich habe Jesus alles erzählt, und er hat gesagt, er sagt es Gott.‘

Er schien ganz zufrieden mit diesem Gespräch zu sein. Ich war es nicht. Ich hakte nach und fragte: ‚Na, und jetzt?‘ Die Antwort meines Sohnes werde ich nie vergessen:
‚Ja, er weiss es jetzt, das reicht.‘

Dieser Satz begleitet mich seitdem und bringt viele Dinge, Wünsche und vor allem meine Unzufriedenheit zur Ruhe. Es reicht, dass ich zu Gott gehe und ihm alles erzähle.
Er weiss alles, und das ist ausreichend.“


Könnte die Frage nach dem „Wann ist genug gebetet?“ zu einer Hinterfragung unserer Herzensbeziehung zu Gott führen? Vertraue ich ihm wirklich, dass er es recht macht? Die Frage nach dem „Wann ist genug?“ dürfte dann zu einem Anliegen werden, das ich mit Gott besprechen und eine Antwort von ihm erbitten darf. Denn es gibt keine allgemeingültige „Genug-Bitten-Zahl“. Die Antwort wächst in unseren Herzen aus der Beziehung zu Gott heraus.

Vreni Theobald / Wiebke Topf,  Opens external link in new windowwww.weitergehen-ev.de