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Gott wohlgefälliges Beten

Herr, lehre uns beten. Mit dieser Bitte wurde Jesus von einem seiner Jünger angesprochen (Lk 11,1). In der Bergpredigt erhalten wir von Jesus eine sehr ausführliche Anweisung über dieses wichtige Thema! Er gibt sie nicht nur seinen Jüngern, sondern dem ganzen Volk, das ihm nachgefolgt war (vgl. Mt 4,25).  Vor allem in Kapitel 6,5-13 finden wir, was er über das Gott wohlgefällige Beten zu sagen hatte:

Wie sollen wir nicht beten?
„Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern … von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“ Mit einem Schwur also –  „Wahrlich!“ – warnt Jesus davor, mit dem persönlichen Gebet andere beeindrucken zu wollen! Von Gott wird so ein Gebet nicht erhört! Darum tun wir als Kinder Gottes wohl daran, uns Jesus als Beter zum Vorbild zu nehmen. Von ihm lesen wir: „Er stieg allein auf einen Berg, um zu beten“ (Mt 14,23) und: „Er ging an eine einsame Stätte und betete dort“ (Mk 1,35). Uns gibt er deshalb den Rat: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und … dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“

Und wie steht es mit der Gebetsgemeinschaft? Jesus antwortet: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.“ So eine Gefahr kann auch in der Gebetsstunde in der Gemeinde aufkommen. Der einzelne Beter findet kein Ende. Doch, wie jemand einmal schrieb: „Lange Gebete sind der Tod jeder Gebetsgemeinschaft.“ Denn die anderen Teilnehmer sind dankbar, wenn auch sie ihre Anliegen vor Gott bringen dürfen. Kurz und öfter beten, damit jeder innerlich mitgehen kann, bewahrt vor Ermüdung. Jesus ermutigt uns außerdem mit den Worten: „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“

Wie also sollen wir beten?
Jesus fährt fort: „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel!“ Mit diesen Worten beschreibt er den himmelweiten Unterschied zwischen Gott und uns. David betet in Psalm 11,4: „Des HERRN Thron ist im Himmel.“ Und Gott selbst spricht: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße!“ (Jes 66,1). Gott ist heilig und allmächtig!
Das macht uns Jesus auch in den ersten drei Bitten bewusst: „Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“
Erst jetzt dürfen wir unsere Bedürfnisse nennen! Es sind wiederum drei Bitten, die uns unser Angewiesen sein auf Gott, unsere Sündhaftigkeit und unsere Versuchlichkeit vor Augen führen.
„Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Dieses „heute“ bewahrt uns davor, uns in falscher Sicherheit zu wiegen wie z.B. die Gemeinde in Laodizea (vgl. Offb 3,17). Es kann uns plötzlich alles weggenommen werden.
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Täglich haben wir Gottes Vergebung nötig! Täglich haben deshalb auch wir die Aufgabe, unseren Mitmenschen zu vergeben!
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Der Böse – das ist der Fürst dieser Welt, der Jesus in der Wüste versuchte! Er zeigte Jesus alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit mit der Behauptung: „Das alles will ich dir geben.“ Aber vor der Heiligkeit und Herrlichkeit Jesu musste er kapitulieren! Darum beendet Jesus seine Anweisung zum rechten Beten mit den Worten: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!“

Schw. Brigitte Walther lebt im Mutterhaus auf St. Chrischona